»Die SP ist, was man mit der SP macht.«

Am 30. August wählt die SP Thurgau ein neues Präsidium.
Zur Wahl steht die SP-Kantonsparlamentarierin und Jungsozialistin Nina Schläfli, welche sich an der vergangenen Vollversammlung der JUSO Thurgau den Fragen der Genossinnen und Genossen gestellt hat.

JUSO: Vielen Dank für deine Kandidatur und danke, dass du der Juso Thurgau heute Red und Antwort stehst. Am besten stellst du dich kurz vor.

Nina Schläfli: Danke für die Einladung. Neben euren Fragen, die ich sehr gerne beantworte, habe ich auch noch eine Frage an euch als JUSO.
Mein Name ist Nina Schläfli, ich bin 26 Jahre alt und wohne in Kreuzlingen. Ich habe an der Uni Konstanz studiert und bin von Beruf Historikerin.
Ich bin 2009 der Juso Thurgau beigetreten, während dem Abstimmungskampf zur Minarett-Initiative. In der Juso war ich immer wieder bei Aktivitäten dabei und 2011 trat ich dann der SP bei. Zur gleichen Zeit beschloss die Juso, in Kreuzlingen eine eigene Liste für die Gemeinderatswahlen auf die Beine zu stellen. Der Wahlkampf war super lustig und oftmals chaotisch. Neben diversen Rechtschreibfehlern war sogar das Datum auf dem Flyer falsch. Wir wurden von der Fasnachtsgesellschaft durch den Dreck gezogen und konnten mit unserem Enthusiasmus tatsächlich einen Sitz im Gemeindeparlament erobern. Nun bin ich schon seit fünf Jahren Mitglied des Gemeindeparlaments und konnte verschiedene Themen bearbeiten. Ich setzte mich unter anderem für ein faires und menschliches Migrationswesen ein. Ich bin Mitglied der Finanz- und Rechnungsprüfungskommission und der grauenhaft bürgerlichen Einbürgerungskommission. Dieses Jahr wurde ich auch dank der Unterstützung der Juso Thurgau in den Kantonsrat gewählt und konnte bereits an Sitzungen teilnehmen.

JUSO: Was ist der Antrieb für deine politische Arbeit?

Nina Schläfli: Es reicht mir nicht einfach tatenlos zuzusehen, was in diesem Kanton und diesem Land geschieht. Ich will mich engagieren, ich will sozialdemokratische Politik im Kanton Thurgau machen, die wahrgenommen wird und eine Alternative darstellt zur bürgerlichen Politik. Egal wie aussichtslos dies manchmal scheint.

JUSO: Wie sieht das konkret aus? Wie gestaltet sich deine politische Praxis?

Nina Schläfli: Es braucht eine gute Übersetzungsarbeit, die auch komplexe politische Sachverhalte allen Menschen nahe bringt und erklärt. Nur so kann die ganze Gesellschaft an Debatten teilnehmen.
Weiter sollte wenn immer möglich ein Austausch mit betroffenen Gruppen einer Diskussion stattfinden, egal wie weit diese von unseren Positionen entfernt scheinen. Beim Thema Wildschutz und Jagd einen Jäger einzuladen erweitert den Horizont und bereichert die Diskussion ungemein.

JUSO: Und in der SP?

Nina Schläfli: Wir müssen unsere Basis stärken und mehr Mitgliederaktivitäten veranstalten um immer wieder neue Mitglieder in die Partei zu holen.
Dabei kommen wir zu einem zentralen Punkt, der Nachwuchsförderung. Ich war bisher in einigen SP Sektionen im Thurgau und die Sorgen sind überall ähnlich. Der Altersdurchschnitt steigt stetig und es finden sich kaum junge GenossInnen, die nachrücken. Hier kommen wir zurück auf meine angekündigte Frage: Was kann die SP tun, um junge GenossInnen zu gewinnen und einzuspannen, was kann die Juso zur Stärkung der einzelnen SP Sektionen beitragen?

Antworten aus der Runde: Juso Mitglieder können gratis SP-Doppelmitglieder werden, wer diese Gelegenheit noch nicht wahrgenommen hat, sollte dies baldmöglichst nachholen.
Gegenüber gewissen Positionen der SP, gerade auf nationaler Ebene stehe ich sehr kritisch gegenüber. Das hat für mich nicht mehr viel mit Sozialdemokratie zu tun und ist für mich der Hauptgrund, nicht in der SP aktiv zu werden.
Die lokalen Sektionen der SP gleichen vielerorts dem üblichen Vereinsleben und bemühen sich um die Erhaltung ihrer Strukturen wie jeder Schwimm- Feuerwehr- oder Gesangsverein. Da bleibt leider all zu oft wenig Platz für Politik und wenn einmal eine politische Debatte geführt wird, zeugt diese von wenig Mut und Enthusiasmus. Wer als Juso in einer SP Orts- oder Bezirkspartei erscheint, bekommt gleich beim ersten Treffen einen Vorstandsposten angeboten, was natürlich zusätzlich abschreckt.

Nina Schläfli: Ich trage die erwähnten Punkte gerne in die Sektionen und möchte alle JungsozialistInnen ermuntern, trotz den Bedenken immer wieder bei der SP aufzukreuzen. Es liegt doch gerade an uns jungen, dass die Sozialdemokratie auch auf lokaler Ebene gestärkt wird und ihre Verantwortung in den verschiedenen Gremien wahrnehmen kann. Die SP ist, was man mit der SP macht.
Der Austausch zwischen den Generationen und eine Bildungsarbeit, welche die Juso mit der SP verbindet sind für die Entwicklung der Linken im Thurgau sehr wichtig. Auch im neuen Format des „Linksrum“ hat jeder und jede die Gelegenheit, Meinungen zu präsentieren, an der Debatte teilzunehmen und Diskussionen anzustossen.

JUSO: Wie haltet man es im Thurgau eigentlich aus als Präsidentin der SP? Es gibt wohl keinen Posten in diesem grundbürgerlichen Kanton, der so viel Angriffsfläche bietet. Wie gedenkst du, damit umzugehen?

Nina Schläfli: Je grösser das Geschrei von rechts gegen unsere Statements und Vorstösse ist, desto eher scheint man auf dem richtigen Weg zu sein. Wer seiner Linie treu bleibt und seine Haltung klar und verständlich vertritt, macht sich auch nicht nur unbeliebt, das zeigen ja gerade die Wahlresultate unserer amtierenden Parteipräsidentin Barbara Kern.
Ein Ausgleich zur Politik ist auf jeden Fall wichtig, auch wenn die Freizeit an Wahl- und Abstimmungswochenenden knapp wird. Da muss man auch mal ganz bewusst den Stecker ziehen und gerade in den Ferien nicht für jeden und jede erreichbar zu sein.

JUSO: Was wünschst du dir ganz konkret von der Juso Thurgau?

Nina Schläfli: Gerade in der Asylpolitik bin ich auf die Unterstützung der jungen linken angewiesen. Das Empfangs- und Vollzugszentrum in Kreuzlingen wird in ein Ausschaffungszentrum umgewandelt. Viele scheinen zu vergessen, dass es sich auch hier immer noch um Menschen handelt. Menschen, die Rechte haben und mit denen man nicht umgehen darf wie mit Schwerverbrechern.
Ein wichtiges, langfristiges Thema ist der Umweltschutz und der nachhaltige Umgang mit Ressourcen. Es gibt kein wichtigeres Thema als den Schutz unseres Planeten, auf dem gerade wir jungen noch einige Jahre verbringen wollen.

 

 

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