Klimastreik und Konsumkritik: Löwen fressen keinen Sellerie.

Zum Auftakt der Fridays for Future – Bewegung im Thurgau veröffentlichen wir hier einen Text von Kevin Harriman und Kevin Nance, geschrieben für marxist.com

Umwelt, Konsumkritik und Sozialismus

Die Wirtschaft muss wachsen, damit sie nicht kollabiert. Unendliches Wachstum in einem endlichen, abgeschlossenen System – wie soll das gehen? Naja, wir müssen halt Bio-Sachen kaufen, alte Kühlschränke durch energieeffizientere Geräte ersetzen und Öko-Kleider tragen – die konsumkritische Bewegung appelliert an unsere Verantwortung. Als VerbraucherInnen bestimmen ja wir, wie gewirtschaftet wird. Der philosophische Unterbau der konsumkritischen Bewegung ist verführerisch einfach.
Durch bewusste Wahl unserer Einkäufe haben wir als KonsumentInnen die Macht, die Welt zu verändern. Wenn wir also alle überzeugen könnten, ihre Verantwortung der Erde und den Mitmenschen gegenüber wahrzunehmen und ökologische, sozial verantwortbare Produkte zu kaufen, würde dies die Gesellschaft und ihre Strukturen radikal verändern. Wenn wir nur alle dazu bringen könnten, sich mehr um die Umwelt zu kümmern und ihren Lebensstil anzupassen, dann hätten wir eine andere Welt. Klingt gut, oder?
Machen wir doch zuerst einen kurzen Abstecher in die philosophische Theorie (den du auch überspringen kannst, wenn er dir zu trocken und theoretisch ist). Dem konsumkritischen Denken liegt eine philosophische Strömung zugrunde, die sich «Idealismus» nennt. Damit nicht zu verwechseln ist der alltägliche Gebrauch des Wortes, bei dem der Idealismus für höhere Ideale oder starker Optimismus steht. Im «Idealismus», im Sinne einer philosophischen Richtung, geht es darum, dass die materielle Welt nur Ausdruck unserer Ideen und unseres Bewusstseins ist. Die materiellen Bedingungen entständen also aus unseren Vorstellungen und Idealen heraus.
Aus unserer marxistischer Perspektive betrachtet ist es jedoch genau umgekehrt. Die gesellschaftlichen Verhältnisse entstehen aus den materiellen Bedingungen. Die materielle Realität schaffen wir nicht mit unseren Vorstellungen und Idealen, es ist anders rum. Die gesellschaftliche und materielle Realität prägt unsere Ideen, Vorstellungen und unser Weltbild. Wenn wir die Welt (und unsere Werte) also fundamental verändern wollen, müssen wir die materiellen Voraussetzungen und die gesellschaftlichen Strukturen ändern. Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral.

Bewusstes Konsumieren ist gut und lobenswert – aber nicht die ultimative Lösung unserer Probleme

Konsumkritische Appelle an das Kaufverhalten der Menschen sind sicherlich gut gemeint, scheitern aber daran, dass Menschen, Volkswirtschaften und Kulturen extrem komplex sind und in ständiger Wechselwirkung zueinanderstehen. Sie werden von internen und externen Faktoren beeinflusst. Niemand – egal wie intelligent, gutmütig oder willensstark sie/er ist, kann die ganze Welt durch reine Willenskraft oder einzelne Anstrengungen verändern. Wer die Welt verändern will, muss ihre Wurzeln anschauen, in die Tiefen ihrer Strukturen schauen und sich fragen, welche Umstände und Prozesse jene Übel hervorrufen, die man eliminieren will. Wenn ein Unkraut nicht an der Wurzel herausgerissen wird, so wächst es nach. Für alle umweltzerstörerischen Unternehmen, Produkte oder Verfahren, die wir erfolgreich bekämpfen, werden andere ihren Platz einnehmen. Bis wir das System verändern, das solche Unternehmen, Produkte oder Verfahren erst möglich macht.
Die Umweltkrise ist nicht die Schuld der einfachen, lohnabhängigen Menschen. Die einzige Schuld, die auf uns «Normalos» lastet, ist, dass wir dieses marode System (noch) nicht auf den Müllhaufen der Geschichte geworfen haben.
Unter kapitalistischen Verhältnissen kann die überwältigende Mehrheit der Menschen nicht mitentscheiden, wie Ressourcen eingesetzt werden, oder wie die Produktion organisiert wird. Solche Entscheidungen werden von den BesitzerInnen der Produktionsmittel (also von KapitalistInnen) getroffen – und das Hauptkriterium ist hierbei der Profit. Die konsumkritische Bewegung gibt die Schuld aber den lohnabhängigen KonsumentInnen. Die ArbeiterInnen sollen ihren bescheidenen Lebensstandard durch den Kauf überteuerter Öko- und Fairtrade-Produkte noch einmal verringern, während die Portemonnaies der KapitalistInnen durch die erzielten Profite noch dicker werden.
Die Lohnabhängigen haben die Macht – und auch die Verantwortung – ein Zeitalter des sozial- und umweltverträglichen Produzierens und Konsumierens einzuläuten und den Klimawandel aufzuhalten. Aber es ist nicht nötig, einfache Leute abzustrafen, bloss weil sie ein anständiges Leben führen wollen. Die ArbeiterInnenklasse hat es in der Hand, diesen Planeten für viele weitere Generationen bewohnbar und lebenswert zu erhalten – weil sie es in der Hand hat, die kapitalistische Produktionsweise zu überwinden. Es sind zwar KapitalistInnen, die Entscheide treffen, aber schlussendlich erhalten wir ArbeiterInnen die Produktionsmittel, Fabriken, Werkstätten, Läden, Farmen usw am Laufen. Also können wir auch das letzte Wort haben. Dieser Macht müssen wir uns bewusst werden.
Ein konkretes Beispiel für die Macht der Arbeitenden: Viele UmweltaktivistInnen wollen den Einsatz von Braunkohle zur Energiegewinnung stoppen, weil der Abbau riesige Landflächen zerstört und das Verbrennen enorme Mengen an Luftschadstoffen und Kohlendioxid freisetzt. Wie könnte man den Einsatz besser stoppen? Indem man im Studierenden-Rat dafür kämpft, dass die eigene Universität nur noch zertifizierten Ökostrom bezieht (was bedeutet, dass einfach sonst irgendwer die billige, dreckige Energie kauft)? Oder indem direkt und kollektiv der Abbau von Kohle gestoppt, massiv in saubere Energie investiert wird, und den ArbeiterInnen der Kohleindustrie anständige Ersatzjobs zur Verfügung gestellt werden?
Die ArbeiterInnen haben die Macht, die Art und Weise wie wir produzieren, radikal und nachhaltig zu verändern – wenn sie kollektiv handeln.
Ein anderes Missverständnis der konsumkritischen Bewegung ist, dass Veränderungen graduell ablaufen. Aus marxistischer Sicht entwickeln sich Veränderungen aus bestehenden Widersprüchen. Solche Widersprüche können sich zwar graduell aufbauen und verschärfen, die daraus resultierende Veränderung kommt aber plötzlich. Verbildlichen können wir das zum Beispiel mit kochendem Wasser. Unter normalem Druck kocht Wasser bei 100 Grad Celsius. Wenn wir einen Topf Wasser auf den heissen Herd setzen, so wird die Temperatur kontinuierlich ansteigen. Auf 60 Grad, 70 Grad, 80 Grad, 90 Grad – ohne dass das Wasser kocht. Aber wenn die Temperatur 100 Grad Celsius erreicht hat, kommt es plötzlich zu einer dramatischen Veränderung – es brodelt und Wasser wird zu Dampf. Diesem Beispiel entsprechend laufen auch grosse gesellschaftliche Veränderungen ab. Gesellschaftliche Probleme entwickeln sich, ohne dass dies sofort zu grossen Gegenbewegungen führt. Aber ab einem gewissen Punkt haben gesellschaftliche Probleme und Ungerechtigkeiten ein so grosses Ausmass angenommen, dass es den Menschen reicht und sie offen und kompromisslos für klare Veränderungen kämpfen.
Auf diesen Moment bereiten wir MarxistInnen uns vor. Auch wenn wir im kleinen Rahmen gegen die Auswüchse des Kapitalismus und die mit ihm einhergehende Zerstörung der Umwelt mitkämpfen – wir wollen nie das grosse Ganze aus dem Blickfeld verlieren. Wir verbinden den gegenwärtigen Kampf für Verbesserungen mit dem langfristigen Ziel, aus dem zerstörerischen Hamsterrad des Profits auszubrechen. Wir kämpfen jetzt und heute gegen die Zerstörung unserer Umwelt, gegen Homophobie, Rassismus, Lohnungleichheit etc. Aber wir sehen als den einzigen Weg, all diese Probleme nachhaltig zu lösen, im demokratischen Sozialismus.

Systembedingte Hindernisse

«Grüne» Produkte sind Nischenprodukte. Nur eine Minderheit der Konsumierenden hat das Umweltbewusstsein, die notwendigen finanziellen Mittel und den Zugang zu solchen Produkten. Der Kapitalismus hat eine gewaltige globale Ungleichheit geschaffen und die allermeisten Menschen auf diesem Planeten können es sich schlicht und einfach nicht leisten, ökologisch einzukaufen. Sie können sich nur das Notwendigste und Billigste leisten – und das kommt nun einmal von Firmen, die die Preise auf Kosten von Mensch und Umwelt drücken. Viele verarmte Weltgegenden haben nicht einmal Supermärkte, geschweige denn Reformhäuser oder Bioläden. Wie immer im Kapitalismus regiert der Markt – und wenn ökologische Lebensmittel nicht profitabel verkauft werden (können), so werden sie auch gar nicht erst produziert.
Es ist die marktwirtschaftliche Logik, die Profit über alles stellt. Und es sind globale marktwirtschaftliche Verhältnisse, die bestimmen, wer sich welche Produkte überhaupt leisten kann. Klar ist es besser, nachhaltig einzukaufen. Aber so schön es auch wäre, können ein paar Öko-KonsumentInnen in den Industriestaaten diese Verhältnisse nicht einfach durchbrechen indem sie bewusst einkaufen, egal wie gut ihre Absichten sind.
Oder schauen wir uns mal den biologischen Anbau an. Bei umweltfreundlicher Landwirtschaft, die mit weniger Pestiziden und natürlichen Ersatzprodukten auskommt, ist der jährliche Ertrag pro Quadratmeter in der Regel tiefer und der Arbeitsaufwand höher. Das bedeutet höhere Kosten für biologische Lebensmittel. Betriebe, die biologisch produzieren, können deshalb nicht mithalten mit den konventionellen Grossbetrieben (die mittlerweile teilweise auch schon ins lukrative Bio-Geschäft eingestiegen sind). Bio-Betriebe versorgen Ökoläden und die Bio-Ecken von einigen Supermärkten mit ihren teureren Lebensmitteln. Aber sie erreichen nie die Umsatzmengen konventioneller Produzenten, die nach wie vor den Bärenanteil der Lebensmittelversorgung ausmachen und die breiten Massen mit Lebensmitteln versorgen (auf globalem Niveau sowieso).
Am deutlichsten kommt die absurde Logik des Marktes zum Vorschein, wenn es um geplante Obsoleszenz geht. Bei der geplanten Obsoleszenz wird die Lebensdauer eines Produkts absichtlich reduziert. Produkte werden extra so hergestellt, dass sie schneller kaputtgehen oder veralten. Damit wird sichergestellt, dass bald wieder ein neues Produkt gekauft werden muss.
Ein älteres Beispiel für geplante Obsoleszenz war die Nylon-Lagerung. Durch Lagerung wurde Nylon spröde und KonsumentInnen mussten rascher neue Nylontextilien kaufen. Jahrelang suchten die Marktleader deshalb gar nicht erst nach alternativen Fasern, die nicht spröde wurden. Eine solche Entdeckung wäre für die Textilbranche langfristig ja wirtschaftsschädigend gewesen. Autos, Glühbirnen und sogar Häuser haben künstlich verkürzte Lebensspannen. Und bei elektronischen Geräten wird es noch offensichtlicher. Geräte gehen kurz nach Ablauf der Garantie kaputt, Updates werden nicht unterstützt, Akkus werden fest verbaut oder neue Anschlüsse werden erfunden, damit Kabel und Adapter auf dem Müll landen und neue verkauft werden können.
Im Markt konkurrieren sich Unternehmen, müssen laufend verkaufen und ihre Profite steigern, um zu überleben. Stell’ dir vor, Apple gäbe ein Telefon heraus, das 15 Jahre lang einwandfrei funktioniert. Es würden kaum mehr neue Geräte verkauft werden, die Firma würde schliessen und die Arbeitenden arbeitslos. Wie absurd! Individuelle Handlungen von KonsumentInnen können solche mächtigen marktwirtschaftlichen Mechanismen nicht einfach untergraben. Die Strukturen des Systems selbst müssen grundlegend verändert werden. Der Kapitalismus kann nicht einfach durch ein paar Reformen grün gemacht werden – genauso wenig, wie man einen Löwen dazu bringen kann, nur noch Sellerie zu fressen. Will man Sellerie verfüttern, dann sucht man sich wohl besser ein anderes Tier, als dass man dem Löwen ein Veganer-Label um den Hals hängt. Kapitalismus und Ökologie sind so inkompatibel miteinander, wie Löwen mit Sellerie.

Für eine demokratisch geplante, sozialistische Wirtschaft

Die Umwelt ist nicht bloss eine Quelle von Rohstoffen, die wir ausbeuten können. Sie ist ein komplexes, vernetztes System, von dem wir Menschen ein Teil sind. Klar, es ist eine Eigenart unserer Spezies, Werkzeuge zu entwickeln und damit unsere Umwelt zu unserem Vorteil zu verändern. Aber erst jetzt, in der Ära der Industriegesellschaft und des Kapitalismus, sind diese Werkzeuge so mächtig geworden, dass wir mit ihnen unsere Umwelt, und somit unsere Existenzgrundlage für immer zerstören können. Wir haben durchaus die Möglichkeit, wieder nachhaltig zu leben. Menschen sind letztlich rationale, kreative und intelligente Wesen. Wir können Handlungsbedarf feststellen und Lösungen entwickeln. Das Problem ist, dass die Gesetze des Marktes sich nicht nach unserer Logik oder Ethik richten, sondern nach irrationalen und unmenschlichen Mechanismen. Karl Marx nannte das die «Anarchie des Marktes».
Immer wieder wird das ökologische Malheur auf der Behauptung gestützt, dass es zu viele Menschen gäbe und wir eine Überbevölkerung hätten. Diese Hypothese ist so nicht korrekt, auch wenn es unter kapitalistischen Bedingungen tatsächlich ein Problem darstellt. Die fortschreitende Entwicklung der Produktivkräfte (also der technische Fortschritt bei der Produktion) ermöglicht es, dass immer weniger Menschen immer mehr Waren produzieren können – auch in der Landwirtschaft. Eine Studie der EPA kommt zum Schluss, dass der Anbau von Mais in den USA im Jahre 1931 rund 198 Millionen Hektar mehr Land gebraucht hätte, um gleich viel zu produzieren wie 2008. Die Produktionskapazitäten sind in die Höhe geschnellt und die Entwicklung geht noch immer voran.
Was aber beunruhigt, ist die masslose Verschwendung von Ressourcen unter den herrschenden Verhältnissen. Wenn Lebensmittel unter ihrem Preis weggegeben würden, würde das den Profit der Läden schmälern. Alleine in den USA werden etwa 40 % aller hergestellten Lebensmittel weggeworfen, statt konsumiert. Auch in der Schweiz landet zum Beispiel jede zweite geerntete Kartoffel einfach im Müll. Nur 15 % werfen die KonsumentInnen selber weg, der Rest entspricht in Form und Farbe nicht dem verkaufstechnischen Ideal oder die Weiterverarbeitung wäre aufgrund der Grösse nicht rentabel. Oder ein anderes Beispiel: Stell dir mal vor, in deiner Stadt oder deinem Dorf gäbe es zwei Supermärkte nebeneinander (wahrscheinlich ist das sogar der Fall). Wenn ein Supermarkt entscheidet, nach 17 Uhr nicht mehr von jeder einzelnen Brotsorte einen ganzen Stapel Brot aufzubacken, damit nichts unnötig weggeworfen würde, was würde wohl passieren? Die Leute gingen in den anderen Supermarkt, weil es dort noch jede Sorte zur Auswahl gibt.
Und so kommt es, dass fast jeder Supermarkt auf diesem Kontinenten am Abend die Regale mit Brot füllt, nur um es nach Ladenschluss – schwupp – in die Müllcontainer zu kippen. Was für eine gewaltige Verschwendung von Arbeit, Landwirtschaftsfläche und Ressourcen für den Anbau, die Ernte, die Weiterverarbeitung und den Transport! Schon jetzt gäbe es genug Nahrung für alle Menschen auf der Welt. Es gibt keinen Grund, pessimistisch zu sein, was die Versorgung mit Lebensmitteln angeht – wenn wir uns dereinst aus dem Joch der kapitalistischen Logik befreit haben.
Wir leben in einem System, in dem die grosse Mehrheit von der demokratischen Mitbestimmung der Produktion ausgeschlossen ist, und eine kleine Minderheit die Produktionsmittel besitzt und den Takt angibt. Logischerweise vertritt diese Minderheit nur ihre eigenen Interessen. Aufgrund des Profitdrucks und der Eigeninteressen ist die Erde aus Sicht der KapitalistInnen nur da, um ausgebeutet und geplündert zu werden. Wie kann in den engen Grenzen eines solchen Systems jemals eine Lösung für die ökologische Krise gefunden werden? Konsumkritische Strategien sind darauf ausgelegt, dass dann schon alles gut geht, wenn die KapitalistInnen nachfragebedingt bei der Produktion ein bisschen netter zur Umwelt und den Menschen sind. Das ist Wunschdenken! Die wahre Lösung liegt in der vollständigen Demokratisierung der Wirtschaft.
Wir brauchen ein ökonomisches und politisches System, das die Umwelt nicht zerstört und unsere Lebens- und Existenzbedingungen nicht angreift, sondern verbessert. Eine wirklich sozialistische Wirtschaft würde basisdemokratisch organisiert; von unten und nicht von oben – und zwar unter Einbezug aller gesellschaftlichen Schichten. ArbeiterInnen in allen Branchen und Tätigkeitsgebieten würden ihre Vorgesetzten und Manager auf jeder Stufe im Kollektiv wählen und mitbestimmen, was wie produziert wird. Sie würden sich zusammenschliessen mit der lokalen Industrie, der Branche, den Regionen, den Ländern und sogar in Welträten. Es gäbe wohl wenig Interesse daran, demokratisch eine Wirtschaft zu planen, die unsere Lebensgrundlagen zerstört und die ArbeiterInnen gesundheitlich gefährdet. Unter kapitalistischen Bedingungen sind da aber «externe Faktoren», die «unvermeidbar» und «strukturimmanent» sind. Wenn wir das private Eigentum an den Produktionsmitteln und somit den Profit- und Konkurrenzzwang loswerden, können die Menschen ihre Arbeit wieder in Harmonie mit dem Planeten bringen.
Wenn die ArbeiterInnen dereinst das Ruder übernehmen, müssen grossangelegte Infrastrukturprogramme ins Leben gerufen werden. Der öffentliche Verkehr und Velowege etwa müssten umgehend ausgebaut werden. In einer demokratisch geplanten Wirtschaft könnten wir die enormen gesellschaftlichen Reichtümer einsetzen, um Bildung, Infrastruktur, Gesundheitswesen und Forschung weiter zu entwickeln. Unsere Kreativität reicht nicht aus, um sich auszudenken, was wir alles gemeinsam erreichen könnten. Wenn ArbeiterInnen die Arbeitsprozesse gemeinsam gestalten, würden sie Abläufe effizienter, sicherer und nachhaltiger machen. Im kommunistischen Manifest schrieben Karl Marx und Friedrich Engels: «Die Proletarier dieser Welt haben nichts zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen.»

Von Kevin Harriman und Kevin Nance, übersetzt und angepasst von Marco Knobel (Erstveröffentlichung: Oktober 2014 auf www.marxist.com)

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