Liste 9 – wir sind die Gewerkschaftsjugend

Die Gewerkschaften sind neben den sozialistischen Parteien die wichtigsten Organisationen der Werktätigen. Die Position unserer Nationalrats-KandidatInnen zu den Gewerkschaften haben wir in einem kurzen Interview zusammengefasst.

Die Fragen wurden uns im Rahmen der Kandidierendenbefragung der Unia Ostschweiz-Graubünden gestellt, die Antworten entsprechen der Programmatik der Liste 9 – JungsozialistInnen und Gewerkschaftsjugend.

Warum kandidiert ihr?

Als SozialistInnen und GewerkschafterInnen stehen wir für eine junge Generation Werktätiger, SchülerInnen und Studierende. Die Jugend in der Schweiz sucht diese Tage nach neuen Perspektiven. Die ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen, Rassismus, Sexismus und auch der Klimawandel sorgen für eine zunehmende Politisierung. Diese Menschen abzuholen, ihre Anliegen aufzunehmen und mit ihnen gemeinsam weiterzutragen ist eine zentrale Aufgabe der Linken, insbesondere der Gewerkschaften. Für wirkliche Veränderungen braucht es den Druck aus den Betrieben, der organisierten und politisierten Werktätigen. Es geht uns also nicht um die Wahl in das eine oder andere politische Amt, sondern um die bedingungslose und klare Vertretung der Interessen der ArbeiterInnen und die Stärkung ihrer Organisationen.

Der Frauenstreik hat gezeigt, dass die Gleichstellung der Geschlechter ein grosses Thema in der Schweiz ist. Was gedenkt ihr hierfür zu tun?

Das Patriarchat, also die gesellschaftliche Unterdrückung der Frau ist fundamentaler Bestandteil des kapitalistischen Systems. Jede Aktion gegen die Unterdrückung der Frauen ist also auch eine Aktion gegen dieses System der Ausbeutung selbst. Der Kampf um Gleichberechtigung ist in erster Linie wirtschaftlicher, und nicht moralischer Natur. Deshalb gibt es keinen Sozialismus ohne Befreiung der Frau, aber auch keine Befreiung der Frau ohne Sozialismus.

Wir unterstützen jede Aktion und Organisation, welche die Befreiung der Frau zum Ziel hat. Diese Befreiung geht Hand in Hand mit der Befreiung der ganzen arbeitenden Klasse. Hierfür gilt es die Frauen für diese Kämpfe zu mobilisieren, sie für die kommenden Aufgaben zu bilden und für erfolgreiche Aktionen zu organisieren. Genau das ist es, was wir als Juso, aber auch als Gewerkschaftsjugend täglich tun.

Klimastreik und “Fridays for Future” sind in aller Munde. Welche Massnahmen werdet ihr ergreifen, wenn ihr ein Amt übernehmt, um dem Klimawandel zu begegnen – auch gerade in Hinsicht auf eine zukünftige Gestaltung der Arbeitswelt?

Die Art und Weise, wie in unserer Gesellschaft produziert, gebaut und transportiert wird ist schuld am Klimawandel. Grenzenloses Wachstum und Überproduktion an den Bedürfnissen der Menschen vorbei schaden nicht nur unserem Planeten, sondern auch allen Arbeiterinnen und Arbeitern, allen Lernenden und PraktikantInnen. Für einen erfolgreichen Kampf gegen den Klimawandel und die Rettung unserer Lebensgrundlage ist es deshalb unumgänglich, dass wir uns als Gewerkschaftsmitglieder mit den Klimaprotesten solidarisieren. Es ist die Aufgabe der Gewerkschaften, den Widerstand gegen die Zerstörung des Planeten von den Schulen und der Strasse auch in die Betriebe zu tragen.
Die Frage nach Nachhaltigkeit darf nicht zu einer entweder- oder-Frage verkommen.

Konkrete Massnahmen sind folglich:

-Das Ende der Überproduktion vorbei an den Bedürfnissen der Menschen

-Kontrolle der Produktion durch die Arbeitenden selbst

-Die drastische Reduktion der Arbeitszeit

-Massiver Umstieg auf erneuerbare Energiequellen

-Weltweite Aufforstungs- Entgiftungs- und Umweltschutzmassnahmen

Ein effektiver Kündigungsschutz ist ein Garant für gewerkschaftliche Tätigkeit und eine funktionierende Sozialpartnerschaft. Wie soll dieser bestmöglich umgesetzt werden?

Wahre und nachhaltige Verbesserungen wurden und werden nur in echten Arbeitskämpfen erreicht. Der Kündigungsschutz in den Betrieben geht also Hand in Hand mit unserer organisatorischen Stärke als Gewerkschaft. Gewerkschaftliche Organisation und mit ihr unsere Errungenschaften als ArbeiterInnen sind keine Almosen, sondern Zugeständnisse der Firmenbesitzer, der Manager und Aktionäre. Wir stellen deshalb das Konzept „Sozialpartnerschaft“ als ganzes in Frage. Wenn wir als GewerkschafterInnen unsere Stärke erkennen und ausbauen, können wir auch einen effektiven Kündigungsschutz für unsere AktivistInnen in den Betrieben erkämpfen. Das ist unser Programm unter den KollegInnen im Betrieb, wie auch in den Gremien der Gewerkschaften.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf beschäftigt nahezu alle ArbeitnehmerInnen. Skizziert bitte kurz, wie diese gewährleistet werden soll.

Wie bereits ausgeführt, ist auch dieses Problem Ausdruck des Widerspruches zwischen den Bedürfnissen der Werktätigen und den Interessen der Bosse. Auch hier zeigt sich, wie das System aus Lohnarbeit und Profitmacherei vielen schadet und wenigen nützt. Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ja für die eigentliche Menschwerdung der ArbeiterInnen, braucht es einen Vaterschaftsurlaub, der diesen Namen auch verdient, die massive Reduktion der Arbeitszeit, Krippen- und Betreuungsplätze für alle und ein Bildungs- und Gesundheitssystem, welches den Menschen und nicht den Konzernen dient. Schlussendlich und langfristig sind aber alle diese Fortschritte nur möglich, wenn man das System als ganzes in Frage stellt.

Die Flankierenden Massnahmen (FlaM) und in Gesamtarbeitsverträgen abgesicherte Mindestlöhne gewährleisten ein effektives Vorgehen gegen Lohndumping. Wie gedenkt ihr diesen Schutz auszubauen?

Die Flankierenden Massnahmen haben die Absicht, die Löhne in der Schweiz vor dem Druck ausländischer Unternehmen zu schützen. Dies hat in den vergangen Jahren nur teilweise funktioniert. Damit ein wirksamer Lohnschutz tatsächlich möglich ist, braucht es flächendeckende Kontrollen der Arbeitsverhältnisse, flächendeckende Gesamtarbeitsverträge und wenn es auf nationaler Ebene momentan nicht möglich ist, mindestens kantonale Mindestlöhne. Weder der Inhalt der FlaM, noch der konkrete Lohnschutz in der Schweiz werden alleine durch geschickte Verhandlungen und Sozialpartnerschaft erreicht. Wirksame Massnahmen müssen gezwungenermassen erkämpft werden. Einerseits durch die Organisation und Mobilisierung der Werktätigen in der Schweiz, andererseits aber auch durch die Solidarität aller Werktätigen in Europa und darüber hinaus. Als ArbeiterInnen dürfen wir uns nicht anhand Nationaler oder Rassistischer Vorurteile spalten lassen, nur gemeinsam sind wir stark!

Mieten und Krankenkassenbeiträge steigen immer mehr an. AHV und BVG geraten hierdurch immer mehr unter Druck. Was gedenkt ihr hiergegen zu tun?

Die steigenden Preise bei gleichbleibenden oder gar sinkenden Löhnen sind das Resultat der seit 2008 anhaltenden Krise. Das ganze System in sich, das Fallen der Profitrate, sorgen für diese Dynamik. Es gibt also keinen Zauberspruch, keinen Trick und keine Abkürzung aus dieser Einbahnstrasse, welche den Druck auf die ArbeiterInnen ständig erhöht. Es gibt nur den Kampf gegen dieses System selbst.

Alle Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte müssen Bedingungslos verteidigt werden, und aus der Verteidigung dieser Errungenschaften müssen wir für neue Errungenschaften kämpfen. Wir müssen uns organisieren und für das Bewusstsein sorgen, dass nicht wir als ArbeiterInnen die Bosse brauchen, sondern vielmehr die Bosse uns als Arbeitskräfte. Eine Erhöhung des Rentenalters ist nicht verhandelbar, Krankenkassenbeiträge brauchen dringend eine Deckelung, die AHV muss mit den Geldern der Topverdiener saniert werden und die Sozialversicherungen auf Kosten der Profiteuer auf ein solides Fundament gestellt werden.

Warum sind die Gewerkschaften für euch wichtig?

Gewerkschaften sind nicht nur die grössten ArbeiterInnenorganisationen, sie sind gleichzeitig auch eine der grössten migrantischen Organisationen in diesem Land. Die Solidarität und die Notwendigkeit der gemeinsamen Organisation und Aktion wird in den Gewerkschaften sichtbar und zeigt immer wieder Erfolge. Die Gewerkschaften sind aber mehr als nur ein Zusammenschluss einiger tausend Arbeiterinnen. Wichtig sind klar linke und kämpferische Gewerkschaften, welche nicht nur eine betriebliche, sondern auch eine gesellschaftliche Rolle übernehmen. Die Stärke dieser Organisationen, die Bildung ihrer Mitglieder, die Etablierung demokratischer Strukturen und die Schaffung eines stolzen und starken Bewusstsein unter den Werktätigen ist nicht nur unser eigenes Ziel, sie ist im Interesse aller ArbeiterInnen, aller Lernenden, Studierenden, SchülerInnen und PraktikantInnen. Kurz – Die Gewerkschaften sind die wichtigsten Organisationen der arbeitenden Klasse der Schweiz, und ihre Stärke ist die Stärke der arbeitenden Klasse selbst.

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